09.08.23
Blockzeit: 00:00 – 00:29 (heute +00:29)
Finally. ETNN und eine Maschine gebucht auf „Pilot: …“ und dahinter mein Name. Einfach nur beeindruckend. Alle Mühen und zu überspringende Stöckchen vergessen: Fliegerarzt mit Terminschwierigkeiten, dann mit schlechten Nachrichten, Aussicht auf Auflagen, Anomaloskop und CAD versaut, die tausend Formulare für Medical Allgemein, Medical Augen, ZÜP, Flensburg, Beitritt, Erklärungen, Haftungsverzicht etc. pp.
Und doch jetzt: Alles egal. Es ist Dienstagabend, Date mit der DA20-A1 Katana. Diesmal nicht nur Trockenübungen am Boden, Walkaround, Checklisten knechten etc.

Wir kommen an (Reni, Jan und ich) und die Katana ist bereits in ihrem Element. Rolf, mein Fluglehrer, hat als frisch gebackener Pensionär einen Termin am Dienstagabend möglich gemacht. Ein Flugschüler ist schon unterwegs, ein weiterer wartet noch. Leider auch hier wieder ein Dämpfer: Der Startbahnkehrbeauftragte unserer Hausherren hat beschlossen, dass um 20 Uhr die Bahn gekehrt werden müsse. VFR bis 2130 möglich? Leider nein, leider gar nicht. Zumindest heute.
Wir machen das Beste daraus: Rolf zieht dran und ermöglicht jedem Flugschüler zumindest 30min in der Luft. Kurze Absprache: Jan ist der Erste, damit er ein paar Minuten mehr hat, ich darf ja am Sonntag schon wieder ran. Das Anschnallen dauert bei Jan noch ein wenig, sehr zum Missfallen eines von hinten auf der Taxi anrollenden Schleppers. Einfach übers Gras um die kleine Katana rumrollen ist nicht, der Unimog hat einen waschechten Jagdbomber im Schlepp 🙂 Die Hausherren am Platz sind keine gewöhnlichen Flugplatzunternehmer.

30 Minuten später ist es soweit: Jan steigt mit sattem Grinsen aus, meine Uhr läuft. Ich klinke das schicke (gebrauchte) Lightspeed-Headset ein (soviel Zeit muss sein), diesmal drängelt auch keine Multi-Millionen-Euro-Maschine hinter uns. Dann geht es schnell: Rolf jagt den Taxiway runter, und durchläuft die Checks an der „Last Chance“ mit Lichtgeschwindigkeit. Wir sind auf der Bahn und wenige Augenblicke später in der Luft. Meine Hände auf den Kontrollen, leider noch nicht meine Eingaben. Das wird noch. Währenddessen kurze Innenschau: Mulmige Gefühle nach meinem Start-Fuckup in Aachen vor einigen Jahren? Keine Spur. Die Luft ist ruhig, der Fluglehrer vertrauenswürdig und die Maschine WILL EINFACH FLIEGEN.
Rolf erklärt alle Procedures: Start auf Piste 24, dann 90° links Richtung Zülpich. Steigflug, Reiseflug, austrimmen. Bei blauem Himmel und bestem Wetter (um 1930 null Thermik) erhalte ich zum ersten Mal die Kontrolle: Sauber knüppeln ist angesagt, oder in bester Fliegersprache: Koordiniertes Kurven. Nach kurzer Info über negatives Wendemoment und wie man es verhindert folgen ruhige und vorsichtige Kurven mal nach links, mal nach rechts. Dabei die tiefstehende Sonne auf von oben wunderschöner Landschaft: Die Seen von Zülpich und Füssenich, das zur Eifel hin ansteigende Gelände, gekrönt von ein paar einsamen Schäfchenwolken.

Dann ist die Zeit schon um. „Wo geht es denn jetzt nach Hause?“ Klassische Fluglehrerfrage, gut dass ich vorbereitet war. „Wir sind 90° nach links raus und haben hier X 90°-Turns nach links und X 90°-Turns nach rechts gemacht. Nörvenich liegt irgendwo zwischen 12 und 1 Uhr.“ Die Bestätigung lautet knapp: „Dann bring uns mal hin.“ Fühle mich als Schlauberger bis ich merke, dass ich trotz vernünftiger Kurswahl beinah über den drölfzig Quadratkilometer großen Flugplatz hinweggetuckert wäre. Rolf bringt uns mit ein paar schnellen Manövern kurz vor der gesetzten Frist in die Platzrunde. „Delta Mike Bravo für lange Landung“ lautet sein Funkspruch, dann geht es bis zu einem Aufsetzpunkt nahe am Ende der fast drei Kilometer langen Bahn. Butterweich setzt der Flieger auf, die letzten fünf Sekunden vom „Quietscheentchen“ begleitet, dem Klang der Stallwarnung. Bei der Landung ausnahmsweise erwünscht. Rollen am Boden ist dann wieder meins, und gar nicht so einfach: Die Mittellinie läuft durch die Mitte des Flugzeugs, d.h. leicht rechts von meinem rechten Bein, Schlangenlinien sind die Folge. Werde wiederholt angehalten langsam zu machen und die Pöller zur Linken, kurz vor der Halle, nicht zu rasieren.
Dann sind wir angekommen, Reni und Jan warten schon. Es folgt der Abschluss des Flugtags: Flieger putzen, einhallen, Blocks setzen und rote Lappen anbringen. Jan meldet sich freiwillig zur Erledigung des Papierkrams, Reni und ich düsen zur Family, wo der Bericht von der ersten spannenden Flugstunde schon erwartet wird.
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