Training for real

13.08.23

Blockzeit: 00:29 – 01:41 (heute +01:12)

Vier Tage später, und wieder Kaiserwetter an ETNN. Anstelle um 16 Uhr geht es um 17 Uhr los. Rolf ist heute auf Checkflug mit Fluglehrer Nummero zwo, Dirk. Dirk ist unser Ausbildungsleiter, und muss heute noch den jährlichen Checkflug auf seiner Maule absolvieren, mit Rolf als Checkpilot. Auf dem Weg zum Fliegerhorst rufe ich die beiden an, um diesmal gleich vorab zu wissen wo ich hinkommen soll. Überraschung, die beiden „Rumtreiber“ sind noch in Bad Neuenahr, in einer Stunde wieder da. Der guten Laune tut das keinen Abbruch, und wenn ich den beiden zu Fuß entgegenhatschen müsste.

Beim Eintreffen an den Hallen sind die beiden gerade dabei die Maule reinzuräumen. Hat sich Dirk denn auch benommen beim Checkflug, will ich wissen? Dazu Rolf mit Verschwörerblick: Es war knapp.

Franz ist mit der Piper Cub auch durch für heute und räumt ebenfalls mit ein. Ob ich helfen kann? Klares ‚Nein, entspann Dich‘ vom ebenfalls anwesenden Johannes, ‚Wir sind ein eingespieltes Team‘. Die Maschinen werden fachgerecht gestapelt, die Maule als Hochdecker wird in den Flügeltank betankt. Ich stromere zwischen den Maschinen, u.a. einer Roland Z-603 Ultralight und einer Reims C172 herum. Kurz wird es hektisch, als Rolf im besten Kasernenhofton nachhakt, ob die Katana schon vorgerollt, getankt und geprüft sei, Laufschritt schade sicher nicht. Dann allerorten Schmunzeln: Kleiner Scherz mit dem Piloten-Azubi.

Wir hatschen rüber zur Maschine, wo ich unter Rolfs strengem Auge die Checks zum ersten Mal selber durchführe. Die Bodeneinweisung ist ein paar Tage her, die Checks laufen aber soweit rund, dann sitzen wir schon drin und ab geht es von der Halle auf den Taxiway. Ruhiges Rollen hat noch so seine Tücken, ich lasse es offenbar schnell zu schnell angehen. OK. Ruhe ist die Pflicht, Schub raus, besonders auf dem leicht bergab führenden Rollweg. Kurz dem Bus der Kameraden vom Segelflug ausgewichen, dann der RunUp. Direkt hinter uns: Dirk und Dagmar in der Sirius.

Nach erfolgten Checks geht es auf die Bahn, nicht mehr ganz der gelben Linie folgend, sondern etwas weiter ausholend.

Nichts ist so überflüssig wie Startbahn hinter dir, Höhe über dir, und Sprit in der Tankstelle.

– Rolf

Es geht raus nach Westen in Richtung Zülpich, wo wir die Übungen vom letzten Mal wieder aufnehmen. Sauber knüppeln ist angesagt, koordinierter Einsatz aller Steuerelemente beim Kurven. Läuft gefühlt schon ganz gut, einziger Kritikpunkt: Eine Katana ist keine Messerschmitt, entgegen meiner Angewohnten aus den letzten zwanzig Jahren als Sim-Pilot muss ich deutlich sachter in die Kurve gehen. Die Standardkurve dauert zwei Minuten, gegenüber den 20sec einer simulierten Bf109-F4 ist hier mehr Geduld gefragt.

Spannender Moment: Habe gleich in der zweiten Flugstunde gemerkt, wie wichtig sehen und gesehen werden ist. Beim Luftraumcheck vor einer Rechtskurve treibt sich auf zwei Uhr tatsächlich ein kleiner Hochdecker auf gleicher Höhe rum. Sicher Dirk und Dagmar, die uns mit der schnelleren Sirius überholen? Deutlicher kann jedoch die Wichtigkeit des Schulterblicks nicht bei mir einrasten. Also: Lieber links rum, und weiter hohe Aufmerksamkeit. Nach einigen Übungen und Besprechung was bei unkoordiniertem Rudereinsatz passiert, geht es in den Überlandflug, schauen wir uns doch mal Effelsberg an.

Radioteleskop Effelsberg

Der Weg in die Eifel ist kurzweilig, der Kurs wird gehalten, und ein wenig Höhe aufgebaut, das Terrain steigt ja bekanntlich an, wenn man aus der Kölner Bucht kommt. Das Teleskop ist aus der Luft eine Wucht: Die Schüssel hat einen Durchmesser von hundert Metern, ist aber trotzdem frei beweglich. Wir halten respektvollen Abstand, nicht dass wir als Störsignal jemandem „kleine grüne Männchen“ suggerieren.

Der nächste Abschnitt unserer „naach der Lamäng“ gewählten Strecke führt uns ein Stückchen Richtung Ahrtal. Nach kurzer Annäherung werden die Ereignisse der letzten Jahre dort wieder präsent. Der Bereich schaut aus wie ein Riss im Gelände, wann man sich dort dann viel zu viel Wasser vorstellt… trotz der noch greifbaren Bilder weiterhin unfassbar.

In der Ferne können wir schon das Band des Rheins ausmachen, ebenso wie das Siebengebirge, dann geht es ab Richtung Heimat. Und auch hier wieder die Frage: Wie kommen wir eigentlich nach Haus? „Naja“, sage ich. „Wir sind am Platz ja im Vorteil, weil ein paar Kilometer dahinter unverkennbar das große, große Lochlochloch beginnt“, der gewaltige Tagebau Hambach mit seinen künstlichen Abraumbergen. Volltreffer.

Über Mechernich und Rheinbach (die JVA ist aus der Luft zu erkennen), geht es Richtung Heimat. Die Kurven fliege ich relativ ruhig, schiebe die Nase der Katana waagerecht durch mein Horizontbild. Ärgere mich, dass ich 25ft Höhe verloren habe, laut Rolf darf ich mir aber in der Prüfung bis zu 100ft erlauben. Meine Frage wann er mich denn zur Prüfung anmelden will kontert er wie immer schlagfertig. Gerne sofort, ich solle ihn aber bitte vorher aussteigen lassen.

Während wir frotzeln erkenne ich weitere Ortschaften wieder. Irgendwo hier müsste der UL-Platz Weilerswist sein? Hinweis von Rolf: Wenn Du denkst Du bist da und siehst den Platz nicht, bist Du meistens genau drüber. So war es dann auch.

Über Erp und Pingsheim hinweg ist schon der Einflug in die Platzrunde zu erkennen. Dann kommt mir eine Idee: ‚Schau mal, da unten in dem Örtchen steht mein Elternhaus‘. Ob ich mal eine Runde drüber drehen wolle? Na logens! Die Sicht ist klar, die weiße Kirche schon von weitem zu sehen. Wo es denn wäre? Na da unten, ich muss nur ein wenig mehr in Schrägl…. BAMM. Mein Herz springt mir aus dem Hals und hält sich am zitternden Wendezeiger fest: Unsanfte Querrudekorrektur des Fluglehrers, verbunden mit der schon ein paar Mal gehörten Ermahnung: ‚Du wirst keinen neuen Unfall erfinden können, alle die beim Motorflug möglich sind, hat schon mal jemand erlebt.‘ Dieser hier nennt sich ‚Verwandtenbesuch.‚ OK, das war anschaulich. ‚Bis repetita non placent‚ sagt mein Asterix-Latein dazu.

Pfarrkirche St. Martinus

Die Landung im nahen Nörvenich übernimmt Rolf: Die Procedures werden erklärt, ich habe die Hände passiv auf den Kontrollen. So war es zu Zeiten wo er fliegen gelernt hat für die meisten Flugschüler wohl in den ersten fünf Flugstunden: Einfach nachspüren, nichts selber machen. Angeblich genauso effektiv, aber im Vergleich sterbenslangweilig. Gute, neue Zeit.

Bei der Nachflugbesprechung dann noch ein privater kurzer Schrecken: Haben wir bei Weilerswist übersehen, dass dort Fallschirmspringer abgesetzt werden? Nein, alles in Ordnung, die Vorbereitung war sauber. Die NOTAM dazu gilt erst für den nächsten Tag. Beim Schrubben noch ein wenig Klönen und sich wundern, warum die Sirius schon vor uns wieder da ist. Wir erfahren später: Beim Startlauf war nichts mit „Airspeed alive“, ohne Fahrtmesser hat Dirk den Start umgehend abgebrochen und die Maschine über die nächsten Tagen reserviert: Für den Wart.

Meine erste „echte“ Flugstunde geht zu Ende, auf dem Heimweg bin ich mir sicher: Das ist es, habe den richtigen Weg eingeschlagen.

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