Double Feature 2/2

01.10.2023

Blockzeit: 06:50 – 08:15 (heute +01:25)

Wieder ist frühes Aufstehen angesagt, wozu für mich persönlich am Wochenende alles vor 9h morgens gehört. Aber die Reservierungszeit will ja voll genutzt sein. Kleines Hindernis: Scheinbar gibt es in der Fliegerei keinen Tag ohne Überraschungen. Anstatt einfach die Bordmappe mit dem Schlüssel am Flugleitstand „Zitrone“ aus dem Regel holen zu können, muss ich mich erstmal damit anfreunden am Clubheim allein zu sein. Hatten wir schon Zeitumstellung oder wieso bin ich hier der Einzige?

Falls nein, wird Zeit jetzt mein Problem. Gut, dass ich die Tage mal nachgefragt hatte was zu tun ist, wenn die Zitrone abgeschlossen ist: Rüber zum Feldhaus, Tür per Chip auf, altes Flugleiterbüro finden, dort an den Schlüsselkasten, dann die Schlüssel für die Zitrone schnappen. Nein, die sind nicht beschriftet, war ja klar. Zurück nach draußen, rein in das Ding, Mappe geschnappt, Tür nicht zubekommen bis mir der „Trick“ auffällt“, abgeschlossen, Schlüssel zurück ins Büro, alles zugezogen und im Laufschritt zurück zum Parkplatz, um schnellstmöglich zur Halle zu kommen. Meine Zeitplanung schmilzt wie Butter in der Steakpfanne.

So kommt es dann auch, dass Volker bereits vor dem Hallentor sitzt, und mit mir prüft, was ich aufgrund der leeren Zitrone schon vermutet hatte: Kein Flugleiter im Dienst. Für Plätze genau eines Landes in Europa ist das ein NoGo für den Flugverkehr, ratet welches. In anderen Ländern sind Kleinflugplätze idR nicht besetzt, der Pilot prüft die Bahn im Überflug, holt sich per Funk Wetterinformationen ein, tauscht sich mit anderen Luftfahrzeugen aus und landet ohne Kontakt zu entsprechenden Personen am Boden, deren Funktion mVn darin besteht den Platzbetreiber zu vertreten und im Zweifelsfall die Feuerwehr zu alarmieren, aber trotz der Bezeichnung keine „Leitungs-„Befugnis für den Flugbetrieb hat. Auch wenn in Deutschland so langsam die rechtlichen Voraussetzungen für ein Fliegen ohne Flugleiter geschaffen werden, geht bei uns niemand in die Luft, ohne dass jemand als Ansprechperson für unsere Hausherren erreichbar ist. Bei notfallmäßigen Starts von Eurofightern macht es schon Sinn, wenn wir alle Bescheid wissen und entsprechend das Weite suchen.

Während ich mich um die Checks kümmere, telefoniert Volker die Kameraden ab, ob sich jemand erbarmen könnte, die Flugleitung für uns zu übernehmen. Der zufällig am Platz weilende Herbert, nebenbei auch der Wart der Maschine, sieht unsere Not, und erklärt sich spontan bereit auszuhelfen, ein feiner Zug.

Ich fülle derweile zum ersten Mal Öl nach, eine Angelegenheit für sich: Der Unterschied zwischen „zu wenig“ und „voll“ auf dem Peilstab liegt bei gerade mal 200 ml. Bedenkt man, dass man den Kreislauf nicht überfüllen, sondern lieber auf „halbvoll“ betreiben soll, brauchts schon ein wenig Gefühl.

Volker zieht mich aus der Halle raus, während ich bereits im Cockpit sitze. „Pünktlich in der Luft“ sieht auch heute anders aus, aber egal: Das Wetter ist grandios, die Maschine ist „meine“, und ich reiße eine Platzrunde nach der anderen ab. Da wir uns schon ein bißchen besser kennen und Volker gestern auch einige weitere Stunden mit der Maschine gegeben hat, geht es an die Übung besonderer Manöver. Heute ist das „unsaubere“ Fliegen dran. Indem man die Maschine durch das „Kreuzen der Ruder“, d.h. Querruder links, Seitenruderpedal rechts, schräg in den Wind stellt, erhöht sich der Widerstand, und die Geschwindigkeit sinkt rapide. Dieser Seitengleitflug lässt sich nutzen, um im Landeanflug überschüssige Energie, d.h. Geschwindigkeit und/oder Höhe abzubauen. Einziger Schönheitsfehler: Das besondere Tragflächenprofil der Katana ist so sauber, dass auch dieses Manöver nicht zu abprubter Verschlechterung führt. Bei den üblichen Schulungshochdeckern wie z.B. der Cess 152 soll der Effekt deutlich stärker sein.

Und so wobbeln wir ein wenig in der Platzrunde rum, während ich hoffe, dass Reni gerade nicht aus dem Garten zusieht, der Flugzustand sieht von außen schließlich nicht unbedingt natürlich aus. Der Blick auf die Platzrunde ist jedenfalls ziemlich gut:

Insgesamt werden es mit heute an diesem Wochenende 15 Platzrunden plus entsprechende Landungen, einfach genial. Die Flüge sind harmonisch, machen Spaß und lassen hie und da auch Zeit für einen kurzen Schnack, ich gebe meine Erfahrungen mit der Westflug in Aachen zum besten und tausche mich mit ihm über Safesky als Kollisionsvermeidungs-App aus. Die Digitalisierung im Cockpit macht Fortschritte, und so lassen sich Unterstützungssysteme mittlerweile aufs Tablet laden. Sind diese Apps zertifiziert? Natürlich nicht bei einem Produkt für wenige Euro, eine zusätzliche Unterstützung bei der Beobachtung des Luftraums kann aber nicht schaden, sofern man sich nicht ausschließlich auf diese Technik verlässt.

Auch wenn die Zahl der Zusammenstöße in der Luft nicht zu den häufigsten Unfallursachen zählt, sind 40 Tote jedes Jahr in der europäischen Privatluftfahrt 40 zu viel, da ist jede Hilfe willkommen.

Fliegerisch wächst mein Gefühl für den Abfangbogen stetig, nur das „Brechen“ muss noch besser werden. Zu diesem Zeitpunkt lastet mangels Fahrt so wenig Druck auf den Rudern, dass man schon beherzt eingreifen muss um sicherzustellen, dass sich die Maschine auf keinen Fall setzt, bevor die Fahrt aus dem Flugzeug ist. Muss da zukünftig einfach noch ein wenig forscher Zupacken, habe aber das Gefühl dieses Wochenende wieder einen großen Schritt weitergekommen zu sein und bin froh über unseren neuen, ebenfalls engagierten und hochqualifizierten Fluglehrer.

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